So, hier die Geschichte zum dunkelblauen 6.9 oder wie ich einen Toyota Fahrer ruhig stellte ...

Man kennt einen, der einen kennt, der weiß wo ein 6.9er steht. So begann alles. Es sollte angeblich einer sein mit Tüv neu, guter Zustand, nur einem defekten Stabilager, kein schwerer Schaden ...
Auf dem ersten Bild sieht man, wie er aussah. Gut! Leder, Klima (def, aber egal), ZV (auch def, auch egal), eSSD, alles drin. 220.000 KM hatte er gelaufen, 2 Hd, und hörte sich motortechnisch eigentlich ganz gut an, irgendwo tickerte was, aber alles egal. Die Aussicht auf bequemes ruhiges Dahingleiten im Verkehr (und nur darum geht es schließlich ...) war nur zu verlockend. Der Preis hat gestimmt und war verhältnismäßig günstig für einen 15 Jahre alten sechsneuner mit Vollausstattung und unter einer halben Million KM. Der Transport auf dem Hänger von Hannover ins Rhein Main Gebiet war schon heftig, trotz eines Toyota Patrols als Zugwagen hat man mit 2 t hinten drauf so seine Last in den Kasseler Bergen und seinen damaligen engen Baustellen. Aber nach der ersten Freude sollte jetzt zu Hause mal schnell in ein paar Wochen der Stabi wieder angeschweißt werden. Aber - jeder Oldibesitzer kennt das - nachdem man sich mal dem Unterbodenschutz widmet und ein paar Zierleisten entfernt und vielleicht noch ein paar Anbauteile, ja dann hat man einen Schweizer Käse. So begann die umfangreiche Restaurierung, die wenige Tage vor Ablauf der 1,5 Jahre Frist für den Brief-Verfall ein gutes Ende bei einem sehr netten Tüv-Prüfer fand. Der Wagen war jetzt in allen kritischen Bereichen mit neuen Blechen versehen worden (die alten wurden natürlich vorher rausgetrennt), alles ordentlich versiegelt und sollte womöglich ein paar Jahre halten. Zu erneuern waren ein komplettes Stehblech vorne links, eigentlich der komplette Fahrerfußraum bis hoch zum Armaturenbrett, die Lampentöpfe, die Schwellerspitzen vorne und hinten auf beiden Seiten, in den Radkästen hinten eigentlich die kompletten Kanten, die beiden Kofferraumwannen und ein kurzes Stück des Innenschwellers auf beiden Seiten vorne. Man muß wirklich froh sein, daß aus welchen Gründen auch immer die Radläufe und Schweller an sich in einem top Zustand waren. Und damit das ganze auch schön aussieht, kam eine neue Lackierung drauf in der Originalfarbe 904 G dunkelblau. Ein Traum der Wagen, ein echter Hingucker. Mit dem blauen Leder und den frisch geputzten Alufelgen ... super (siehe letztes Bild).

Vielleicht noch eine kleine Geschichte am Rande: Wie sich nach kurzer Zeit rausstellte, machte die Hinterachse leider ziemliche Geräusche und verursachte ein superhartes Schaltrucken. Aber da noch eine gebrauchte normale 450er Hinterachse im Angebot war (die kürzer ist als die originale HA) und der Umbau keine großen Probleme machte, kam die rein. Das hatte natürlich zur Folge, daß der Wagen gerannt ist wie Lottchen. Nicht mehr so schnell (220 statt 240, aber wen stoert das), doch jetzt ein Anzug ohne Ende. Wir haben es ausprobiert mit einem 6.9er mit serienmäßiger Übersetzung - ein gewaltiger Unterschied.

Es begab sich also eines Tages, daß ein Toyota Supra Fahrer meinte, "...was willst'n mit dem alten Ding, ich krieg Dich eh". Na wenn das keine Aufforderung ist. Man sollte dazu sagen, der 88er Supra hat einen 6 Zyl. Turbo Motor, 5 Gg. Schaltgetriebe und 240 PS bei erheblich weniger Gewicht (ca. 1600Kg). Angegeben ist der Supra in einem AMS Test mit 7,0 sec von 0 auf 100. Also versammelte man sich auf der Landebahn eines kleinen Privatflugplatzes in der Nähe und auf Kommando gab es ein Beschleunigungsrennen über 400m. Man glaubt es kaum, aber der Supra hatte am Ende ungefähr 1 bis 1,5 Wagenlängen Rückstand. Klarer Sieger: Der Benz!
Der Fahrer des Joghurtbechers wurde übrigens nur noch gesehen, als er sich einen Audi TDI kaufte und den Benz keines Blickes mehr würdigte. Gut, das mit der Hinterachse haben wir ihm erst ein paar Tage später erzählt ...

Das ganze spielte sich 1991 bis 1993 ab. 1993 mußte der Wagen dann leider verkauft werden.
Jetzt noch eine Frage zum Schluß: Wer weiß etwas über den Wagen? Lebt er heute noch? Es würde mich einfach mal interessieren. Sein Bj. war der 03.05.1976 und er hatte die Nummer 000 964. Charakteristisch waren seine beiden Antennen hinten, einmal für Radio und einmal für Autotelefon. Wenn ihn jemand kennt, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen unter 450sel6.9@web.de.