Und so begann alles: Ende 1997 fand ich in der Bielefelder Lokalzeitung eine Anzeige, die etwa so lautete:
450 SEL 6.9, Bj. 1977, zypressengrün met., 1. Hd., 18.000,-
Da ich mich schon immer für den sechsneuner interessiert hatte, rief ich an und wir vereinbarten einen Besichtigungstermin. Am Ort des Geschehens angekommen, klingelte ich und eine ältere Dame öffnete die Tür. Anstatt mich hineinzubeten, sagte sie ich solle doch eine Straße weiter fahren, dort befände sich nämlich die Garage, sie würde dort ebenfalls herkommen. Naja, ein Straße weiter halt, aber daß das noch ca. 300 Meter waren! O.k., abgebogen und nach weiteren 200 Metern sah ich dann auch die Garage, andere nennen soetwas ein Haus. Kurz darauf öffnete sich die linke Doppelhälfte des Garagentores und da stand er: ein zypressengrüner 77er 6.9. Allerdings muß man sagen, hatte er Konkurenz. Links davon stand ein 500E rechts daneben ein 560 SEC. Aber ich war ja nicht wegen den beiden Hubraumbettlern da. Es stellte sich dann heraus, daß der sechsneuner bereits 183.000 km gelaufen hatte, aber schon 9 Jahre abgemeldet in der beheizten Garage gestanden hatte. Nichtsdestotrotz sah der Wagen selbst unter der Motorhaube sehr gut aus. Kein Rost unter den Teppichen an den Innenschwellern, kein Rost an den Radläfen, kein Rost an der Spritzwand und die Schiebedachabflüsse waren scheinbar auch nicht zu. Nur an einer Schiebedachkannte drückte etwas Rost den Lack nach oben. Ein weiteres Manko war, daß der Vorbesitzer starker Raucher gewesen sein mußte. Das fiel vor allem im Inneraum an und oberhalb der Sonnenblenden auf, riechen tat man natürlich nach 9 Jahren nichts mehr, obwohl der Aschenbecher noch immer voll war! Alle Polster, bis auf den Fahrersitz, waren in erstaunlich gutem Zustand, aber auch der Fahrersitz selbst war immer noch sehr straff und die Gebrauchsspuren waren sehr gering. Ich hatte zwar noch nicht viele 6.9er gesehen, aber der gehörte eindeutig zu den besseren, trotz der hohen Laufleistung.

Aber 18 Mille war mir der Wagen echt nicht wert. Im Gespräch mit der wirklich netten Dame stellte sich dann heraus, daß es Ihr nicht zwangsläufig auf das Geld ankam, vielmehr wollte sie den Wagen an jemanden verkaufen, der Freude am Wagen hat, ihn hegt und pflegt und vor allen Dingen Platz zuhause hat. Da wir nicht nur eine große Diele zuhause haben, sondern auch noch eine Maschinenhalle, erfüllte ich zumindest Bedingung 1 und 3; Einigen konnten wir uns damals aber nicht.

Ca. 4 Monate später rief ich dann bei der Dame noch einmal an, und siehe da, der Wagen war immer noch da. Eigentlich fragte ich mich, warum der Wagen immer noch da war, aber das stellte sich im weiteren Gespräch heraus: keiner von den Interessenten hatte Platz in seinem Eigenheim und einer wollte dem Wagen sogar eine Anhägerkupplung verpassen und dann auch noch im Winter damit durch die Gegend fahren. Das paßte der Dame überhaupt nicht.

Irgendwie einigten wir uns dann doch noch, aber das ich den Wagen schon gleich mitnehmen wollte, gefiel Ihr nicht so recht. Ich hingegen wollte endlich losstarten, denn das Öl schien frisch zu sein und die Batterie war ebenfalls aufgeladen.

Der Wagen selbst hatte die letzten vier Monate wohl einige Male gelaufen, die potentiellen Käufer wollten dann doch nicht nur Ihren Augen vertrauen.
Ich hingegen wollte immer noch weg, ergo wollten wir den Wagen starten, aber außer Anlasserdrehen war plötzlich nichts mehr. 10 Minuten voher sprang er doch sofort an, was war denn jetzt nun wieder los? Nach dem Ausschrauben der ersten Zündkerze war klar, das die die letzten 10 Jahre nicht ausgetauscht worden waren. Schnell kaufte ich neue Kerzen und ... ich durfte die Kerzen nicht wechseln. Dafür war der Hausmeister zuständig, der aber erst noch telefonisch herbeigerufen werden mußte. Und das dauerte ... Aber als das geschehen war, sprang der Wagen sofort an und wir machten uns auf den Heimweg.

So war das mit meinem 6.9. Am Besten aber war, daß der Wagen ohne Beanstandung nach fast 10 Jahre Standzeit durch den Haupttüv kam.

Mittlerweile schlug aber die Benzinleitung leck, der Bremskraftverstärker mußte ausgetauscht werden und der Federspeicher ist als nächstes fällig. Aber Fahren mit dem wunderbaren Auto macht irre viel Spaß.

Ein ganz besonders netter Auftritt war der, als ich mit dem Auto vor dem in der Nähe liegenden Supermarkt vorfuhr, um kurz mal einzukaufen...
Dem Brabbeln des V8 entgegenfiebernd drehte ich den Zündschlüssel herum, aber wieder einmal mehr drehte nur der Anlasser. Was konnte das sein? Eigentlich nicht die Kerzen, denn die waren erst ein Jahr alt, aber wer weiß, vielleicht waren sie ja doch Feucht geworden. Unter Publikum habe ich dann die Kerzen gewechselt, ein tolles Erlebnis bei 8 Zylindern, glücklicherweise hatte ich nicht direkt vor der Eingangstür geparkt. Aber auch das half nichts. Erst ein Kabel von der Batterie direkt zur Zündspule brachte Erfolg. Das Ende des Liedes war, daß einer der beiden Vorwiderstände den Geist aufgegeben hatte.